Weniger Firmeninsolvenzen, dafür aber mehr Privatverschuldung in Deutschland

PrivatverschuldungObwohl der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland voll im Gange ist, nimmt die Privatverschuldung nicht ab, sondern im Gegenteil: Die Zahl der privaten Insolvenzen stieg um 7,6 %. Dies ergab eine Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

So wirklich scheint die gute Konjunkturlage in der Bundesrepublik beim Normalbürger noch nicht angekommen zu sein. Dies zeigen zumindest die Zahlen der Neusser Wirtschaftsauskunftei Kreditreform. Diese ermittelte für das Jahr 2010 eine Zunahme der Privatverschuldung. Sie belegte dies mit einer Steigerung der privaten Insolvenzen um 7,6 %. Vorstandsmitglied Helmut Rödl rechnet darüber hinaus für das Jahr 2011 mit einem weiteren Anstieg, der in der Spitze bis zu 142.000 private Konkurse betragen könnte. Eine Wende dieses Trends ist seiner Meinung nach bislang nicht in Sicht. Europaweit sieht die Sache auch nicht anders aus.

Während jedoch die Privatverschuldung zunahm, konnte auf dem Gebiet der Firmenkonkurse eine leichte Entspannung registriert werden. So mussten im vergangenen Jahr etwa 32.100 Betriebe den Gang zum Insolvenzgericht antreten, was allerdings einen Rückgang um 2,5 % im Vergleich zu 2009 ausmacht. Auch dieser Trend spiegelt sich im gesamten europäischen Raum wieder. Fast 385.000 Menschen haben in Westeuropa in 2010 ihren privaten Bankrott erklärt. Rödl sieht den Hauptgrund dafür im Verlust des Arbeitsplatzes und den damit verbundenen Einkommenseinbußen. Steigende Zinsen könnten darüber hinaus auch in den kommenden Jahren weitere private Pleiten verursachen.

Zwar habe sich die Arbeitslosigkeit verringert, so Rödl, aber immer noch arbeiteten viele Menschen im Niedriglohnsektor und gerieten dadurch zwangsläufig oft in finanzielle Schwierigkeiten. Den größten Anstieg der Privatverschuldung stellte Kreditreform bei den 18- bis 28-Jährigen fest. Oft hätten diese den Umgang mit Finanzen nicht besser gelernt. Mit dem größten Absinken der Firmenpleiten rechnet der Informationsdienst allerdings im Bereich des Maschinenbaus und der Autobranche. Hier, und auch im Handel sowie der Bauindustrie seien die Insolvenzzahlen rückläufig. Insgesamt konnten in Westeuropa die zahlungsunfähigen Unternehmen um 1,4 % reduziert werden. Im Osten nahmen sie um 14,1 % zu.

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